Dreikönigskonzert 2008

 

 

LÖFFINGEN-UNADINGEN (cm). Mittelalter und Neuzeit verband der Musikverein „Harmonie“ Unadingen kontrastreich beim diesjährigen Dreikönigskonzert in der Bürgerhalle, das Dirigent Thomas Happle unter das Motto „Bescheidenheit“ stellte. Bei der Auswahl der Stücke war er allerdings ganz und gar nicht bescheiden, vielmehr orientierte er das Repertoire nicht nur nach den Stärken der 44-köpfigen Kapelle sondern zeigte auch deren Fähigkeit auf, Neues anzugehen. Einen würdigen Rahmen bot das Konzert für die Ehrung von Willibald Oschwald und Hans Kraut, die beide auf eine 40-jährige Musikerlaufbahn zurückblicken können und musikalische Glückwünsche ihres Vereins entgegen nehmen durften.

Dass sich Happle im Vorfeld des musikalischen Jahreshöhepunktes auch viel Mühe um die Mottofindung macht, wird immer wieder von den Konzertbesuchern bestätigt. „Er hängt sich unwahrscheinlich rein und ist für Überraschungen gut“ weist der Göschweiler Musiklehrer Gottfried Hummel auf Raritäten, wie der auch gesanglich unterstützte Marsch „Anno Neun“ von Friedrich Eichberger, der sonst nie zu hören sei. Mutig und interessant bezeichnete er die Mischung zwischen hohem musikalischen Anspruch, den beispielsweise das barocke fünfsätzige „Augsburger Tafel-confect“ abverlangte, und Volkstümlicher Musik. „Wenn man als Dirigent ein Konzertthema sucht, hilft oft ein Geschichtsbuch“ erklärt Happle. In seiner Konzertauswahl stelle er Personen vor, die Bescheidenheit weniger durch ihre eigene Person als durch ihre Sache vorleben. Das Eingangsstück „Ave Maria“ widmete er beispielsweise der Bernadette Soubirous aus Lourdes und deren Marien-Erscheinung vor 150 Jahren. Ebenfalls in die Reihe der bescheidenen Ordensleute ist der Barock-Komponist Valentin Rathgeber einzuordnen. Nach der erfolgreichen Aufführung der fünf Suiten seines bekanntesten Werks, dem „Augsburger Tafelconfect“, war dem Ensemble die Erleichterung anzumerken. Das rhythmische Vergnügen, das sie anschließend den Zuhörern mit dem Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms bereiteten, ließ so manche Füße mitwippen. Noch einmal wagte sich der Musikverein mit der Sinfonie „The Lord of the Rings – Hobbits“ von Johan de Meij an die Höchststufe heran, bei der Dirigent Happle den Musikern ihr ganzes Können abverlangte und gleichzeitig auch deren ganze Bandbreite unter Beweis stellte. Fast entspannt ließen es die Musiker nach der Pause mit dem melancholischen Stück „Bist Du bei mir“, ein von Johann Sebastian Bach für seine Ehefrau komponiertes Stück, den Kastelruther Spezialitäten (auch diese blieben trotz ihres Erfolges bodenständig) und dem Böhmischen Walzerwind von Ernst Mosch angehen. Gesangeinlagen gab es inklusive. Die Mischung von festlich geschmückten Tannenzweigen und Halbmasken sollte nicht die diesjährige kurze Zeitspange zwischen Weihnachten und Fasnet unterstreichen. Vielmehr klärte sich die eigenwillige Dekoration beim Konzertschluss auf, als sich der Musikverein in den dunklen Katakomben der Pariser Unterwelt auf die Fersen des „Phantom der Oper“ im Arrangement von Johann de Meij heftete. Die dramatische Liebesgeschichte, die noch einmal ein sehr hohes Maß an Präzision und Zusammenspiel abverlangte, konnten die Zuhörer nachempfinden. Mit seiner sehr gut vorbereiteten informativen Moderation wurde Florian Oschwald dem Charakter des Konzerts gerecht. „Der hat sich sein Wissen nicht in einem Tag angeeignet“ zollte Schulrektorin Christine Leniger dem BA-Studenten Anerkennung für die gekonnten Ausführungen. Nach drei Zugaben fiel der Vorhang unter anerkennendem Beifall des Publikums in der fast vollbesetzten Bürgerhalle.

 


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